Radreise von Villach entlang der Drau über Maribor nach Ljubljana
- 31. Mai 2019
- 4 Min. Lesezeit
Oft muss man gar nicht so weit weg fahren, um traumhaft schöne Landschaften und Orte zu entdecken, die scheinbar von den großen Touristenmassen völlig unangetastet bleiben. Genau dieses Gefühl hatte ich mal wieder, als ich diesmal ein paar Tage im schönen Kärnten und Slowenien mit dem Rad unterwegs war.

Montag, 06. Mai 2019 - Montag, 13. Mai 2019
Eigentlich sollte ich brav an meiner Masterarbeit daheim in Innsbruck sitzen, doch ich konnte es mir einfach nicht nehmen lassen, meine Freundin auf dem ersten Stück ihres großen Abenteuers bis nach Istanbul zu begleiten. Zu groß war die Verlockung diesen viel gelobten Radweg entlang der Drau gemeinsam zu fahren, nachdem uns auf der ITB in Berlin dieses Jahr davon so vorgeschwärmt wurde. Ich darf vorwegnehmen: Keiner derjenigen hat untertrieben. Aber auch der zweite Abschnitt der Reise von Maribor durchs grüne Hochland Sloweniens hat definitiv seinen schönen Seiten trotz der größtenteils nicht vorhandenen Radwege.
So kam es, dass ich im Anschluss an das Familienevent am schönen Niederrhein nach einem 17 stündigen Zwischenstopp in Innsbruck mein Trekkingrad geschnappt habe und mit dem Zug bis nach Spittal an der Drau fuhr. Dort angekommen traf ich Tanja, die bereits ein paar Tage zuvor ab Innsbruck über den Brenner, das Pustertal und Lienz losgefahren war. Die letzten 50km des Tages ging's dann über Villach zum Ossiachersee. Werner, den wir auf der Messe in Berlin getroffen hatten, und seine Frau hatten uns in ihre Ferienwohnung direkt am See eingeladen. Wahnsinnig lieb und herzlich und der Blick direkt auf den See war einfach der Hammer!

Das Radwege-Netz in Kärnten ist einfach perfekt ausgebaut und so fuhren wir am nächsten Tag einen kleinen Umweg über den Faakersee und über die "Türkei":D Das ging auf jeden Fall schneller als gedacht, aber findet am besten einfach selber heraus, wie das gemeint ist. Gefühlt verlief die Strecke durch jedes einzelne Dorf, auf und ab durchs hügelige Land und immer mal wieder querten wir die schon mächtig groß gewordene Drau. Am Ende des Tages erblickten wir ein Most-Gasthaus, das zwar leider zu hatte, aber wir erhielten den Tipp an einem wunderschönen abgelegenen kleinen See mitten in der Natur übernachten zu dürfen, was wir uns natürlich nicht nehmen ließen.
Nach einer gemütlich Nacht im Zelt, von der wir am nächsten Tag mit Sonnenschein geweckt wurden, hieß das nächste Ziel bereits die Grenze. Auf dem Weg von Westen nach Osten quer durch Kärnten überquerten wir dabei die mächtige Jauntalbrücke sowie kurz darauf eine rießige Hängebrücke. Es gibt einfach zu viele schöne kleine Dinge entlang des Weges, die man nicht alle aufzählen kann. Das änderte sich auch nicht in Slowenien. Im Gegenteil, die Natur und der Fluss wurden noch wilder und die bergigen Anstiege wurden immer wieder mit wahnsinnig tollen Ausblicken belohnt. Gegen Abend entschieden wir uns dann jedoch wieder für ein Dach über den Kopf, da es über Nacht regnen sollte. Mitten im scheinbaren Nirgendwo fanden wir bei Vuzenica ein super herzliches Gasthaus. Zur Begrüßung gab's erst einmal einen Schnaps, bevor deftiges Essen aufgetischt wurde. Es blieb auch nicht bei diesem letzten Schnaps aufs Haus. Den Letzten gab's kurz vor der regnerischen Abfahrt am nächsten Morgen, "um sich noch einmal aufzuwärmen" so der Gastwirt. Mehr Gastfreundschaft in einem Land kann man bei seinem ersten Besuch glaube ich nicht erfahren.

An jenem Tag sollte es jedoch nicht mehr aufhören zu regnen. An diesem Tag habe ich auch verstanden, warum es in Slowenien mit seinen tausenden Flüssen einfach überall grün ist. Und ehrlich gesagt, macht der Regen uns auch nichts aus. Zu schön war die sich immer wieder verändernde Landschaft! Zwar brach kurz vor Maribor auch noch Tanjas Sattelträger, sodass ich kurzer Hand alles auf meine beiden vorderen Halterungen packte, aber dafür wurden wir bei unserem Airbnb in Maribor wieder herzlichst begrüßt. Und am Abend brach der Himmel dann noch auf und wir genossen einen traumhaft schönen Sonnenuntergang von einem Weinhügel aus.
Am nächsten Tag wurde dann kurz meine letzte Prüfung in Form eines Onlinetests im Teamwork gemeistert. Danach hieß es wieder ab aufs Rad, nachdem wir Tanjas Gepäckträger repariert lassen hatten. Servicegebühr für eine halbe Stunde lag bei null Euro. In Österreich wurden für 2min Ständer befestigen noch 10 Euro Servicegebühr verlangt. So unterschiedlich können Länder sein. Wie schon gesagt ist die Strecke von Maribor nach Ljubljana nicht für Radfahrer ausgerichtet, aber wir fanden dank komoot doch die ein oder andere sehr verkehrsfreie Strecke, genossen mal wieder Eis in der Sonne und Radler zum Sonnenuntergang. Gegen Abend hatten wir dann Glück und bei unserem ersten Fragen an einem einfachen Bauernhof auf einer ruhigen Hochebene wurde uns ein toller Platz für unser Zelt angeboten, sogar mit Windschutz und Apfelstrudel als Willkommensgruß.

Und obwohl wir uns mit Rudi und Co. (wenn überhaupt) nur mit ein paar Floskeln Englisch und Deutsch unterhalten konnten, saßen wir noch bis kurz vor Mitternacht gemeinsam am Holztisch im Garten, während uns Bier, Most und Apfelsaft im Überfluss eingeschenkt wurde. Und dabei hatte die Familie so wenig und wollte uns doch so viel geben. Wie viel wir uns einfach von diesem Gemeinschaftsgefühl abschauen könnten, denn zum Frühstück am nächsten Morgen wurden wir auch noch mehr oder weniger gezwungen. Und der Wunsch eines Fotos mit uns reichte aus, um jene noch glücklicher zu machen, als uns. Verrückt und schön zugleich!

Das letzte Stück bis Ljubljana war dann nur noch ein Katzensprung. Wobei der Zwischenstopp in Sloweniens wohl schönster Stadt Kamnik mehr als einen Abstecher wärt war. Hier gab's wieder mal, na klar, Eis :)
Abends durften wir dann bei Tanjas Studienfreund Jan übernachten, der uns nach einem klassischen Abendessen mit zu einer, so sagte er, "internationalen Geburtstagsparty" mitnahm. Am Ende waren es wir drei und 5 Koreanerinnen, die beim Bowling den Spaß Ihres Lebens hatten. Diese Lebenslust der Koreanerinnen ist einfach ansteckend und der Abend wir mir und Tanja sehr lange in Erinnerung bleiben. Mehr als der darauf folgende Katertag, bei dem wir die Schönheit der Hauptstadt genießen durften. Wer noch nicht hier war, jap, ihr sollte mal vorbeikommen. Eine während meiner Reise durch den Balkan lieb gewonnen bosnische Fleischplatte mit Cevapcici, Pleskavica und Co. rundete die tolle Reise gebührend ab, bevor ich mich am nächsten Tag von Tanja verabschieden und in den Zug steigen musste.

Mehr Bilder findet ihr hier in der Galerie.






















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